Behandlung der Kurzsichtigkeit bei Schulkindern mit Atropin-Augentropfen

Der Wirkstoff Atropin kann in einer niedrigen Konzentration die Entwicklung der zunehmenden Kurzsichtigkeit (Myopie) wesentlich bremsen.

Studien bei asiatischen Populationen zeigen, dass in 5 Jahren die Zunahme durchschnittlich um die Hälfte verringert wird: z.B. statt -5 Dioptrien Zuwachs nur -2,5 Dioptrien Zuwachs. Bei kaukasischen (weissen) Populationen liegt der Effekt bei etwa einem Drittel Verringerung. Die Anwendung gilt als sehr sicher und unbelastend.

Bisher wurden systematische Studien mit Kindern durchgeführt, die im Schulalter waren – untersuchtes Alter 6-15 Jahre. Daher sind derzeit noch keine sicheren Aussagen für Jugendliche ab 16 Jahren und ältere Kurzsichtige möglich. 

Wie wird behandelt?

Es wird eine stark verdünnte Lösung (0,01%) als Augentropfen eingesetzt, die die Pupillenweite und Naheinstellungsreaktion wenig beeinflusst. Die Gabe erfolgt jeweils abends in den unteren Bindehautsack. Aufgrund des für die Tropfenstabilität erforderlichen Säuregehaltskönnen die Augen etwas brennen. Selten wurden allergische Reaktionen beobachtet. Dann wird das Präparat abgesetzt.

Ergänzend oder anstelle von Tropfen können spezielle Kontaktlinsen eingesetzt werden, um die Kurzsichtigkeitszunahme zu bremsen.

Augenärztliche Beratung und Therapiekontrolle

Bei nachgewiesenem starken Zuwachskann bei Ihrem Kind die Tropfen-Anwendung sinnvoll sein. Der Behandlungserfolg kann am besten durch regelmäßige Tropfenuntersuchungen mit Cyclopentolat überprüft werden. Wir empfehlen diese mindestens einmal jährlich.

Organisatorische Hinweise

Bitte beachten Sie die Vorgaben, die für die Tropfen bezüglich der Lagerungstemperatur (kühl oder Raumtemperatur) und Haltbarkeit zu beachten sind. Wie alle Medikamente ist dieses Präparat sicher vor Kindern und Jugendlichen zu verwahren. Weil für die Behandlung kein Präparat verfügbar oder zugelassen ist, handelt es sich um eine „off-Label“ Behandlung: Heilbehandlung mit nicht zugelassenem Wirkstoff. Dafür ist die schriftliche Aufklärung und Einwilligung sowie die Kostenübernahme der Sorgeberechtigten erforderlich.

Bitte vereinbaren Sie einen Termin zur Beratung: Tel. 0202/600520

Warnhinweis:
Atropin ist in größeren Mengen giftig. Daher sollen die Tropfen unbedingt sicher und geschützt vor Kindern aufbewahrt werden. Anzeichen einer Vergiftung können sein:
Mundtrockenheit, Schwindel, Harnverhalt, Benommenheit oder Bewusstlosigkeit, Hautrötung.

Für den Fall einer vermuteten Vergiftung z.B. durch Trinken oder großflächiges Einreiben wenden Sie sich an einen Notfallarzt (Notruf 112) bzw. eine Giftinformationszentrale.

Diese kausale Therapie ist nicht im Leistungsumfang der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) enthalten. Sie wird daher als privatärztliche Leistung abgerechnet.

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